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Kleines Einmaleins für die Recherche

Diese Zusammenfassung soll euch helfen, wenn ihr Hinweise und Tipps braucht, um bei der Recherche weiterzukommen. Nicht alles wird hier angesprochen und einiges werdet ihr schon kennen. Über Verbesserungsvorschläge, eure eigenen Tipps und Erfahrungen würden wir uns freuen. Schickt sie an uns, damit wir sie berücksichtigen können.

Recherche als Grundlage antifaschistischer Arbeit

Recherche für die antifaschistische Arbeit umfasst mehr als die Untersuchung des rechtsextremen Spektrums. Wenn eine politische Gruppe ihre Entscheidung nicht alleine auf einer Gefühlsbasis treffen will, muss sie sich auf die Suche nach Fakten begeben, sie muss Recherche betreiben.

Fakten sind wichtig, um die Realität genau beschreiben zu können. Die Realität muss erfasst und analysiert werden, um auf Grundlage von Fakten in der Lage zu sein, politische Schlussfolgerungen für die eigenen Aktivitäten zu ziehen.

"Recherche ist nach Fakten graben. Fakten auszugraben ist ebenso hart wie nach Kohle zu graben. Es bedeutet, sie aus dem Untergrund emporzuschleudern, nach ihnen zu bohren, sie abzumeißeln, sie wegzuschaufeln und einzuladen, sie an die Oberfläche zu holen, abzuwiegen und an die Öffentlichkeit zu bringen als Brennstoff - für Feuer und Wärme. Fakten bescheren ein Feuer, das nicht gelöscht werden kann.
Um Kohle zu fördern, braucht es Bergarbeiter. Um Fakten an die Oberfläche zu fördern, braucht es ebenfalls Bergarbeiter - Faktenbergarbeiter. Die Besitzer (der Minen - d.Ü.) wissen, was sie wollen und bekommen es. Die ArbeiterInnen wissen nicht was sie wollen und das bekommen sie zu spüren."

John Brophy, Bergarbeiter aus Pennsylvania, Einleitung zu seinem Vorschlag, Bodenschätze in öffentlichen Besitz umzuwandeln, auf der Versammlung der Vereinigten Bergarbeiter Amerikas 1921.

Recherche ist aber auch mehr, als Fakten zu finden. Wenn die Fakten "ein Feuer bescheren" sollen, müsst ihr auch darüber nachdenken, wie ihr die Ergebnisse der Recherchen für eure Arbeit benutzt. Ihr müsst uns überlegen, zu welchem Zeitpunkt und gegenüber welchen Menschen ihr die Fakten präsentieren wollt.

Das Thema der Recherchen muss das Ergebnis einer politischen Diskussion sein. Die Erfahrungen zeigen, dass Leute, die Recherche betreiben, sich leicht verzetteln, wenn ihre Arbeit nicht eingebunden ist in eine politische Arbeit. Nur aus der politischen Diskussion ergeben sich die Fragen: "Was wollen wir erreichen, wie viel können wir machen, was müssen wir dafür wissen?" Die Beantwortung dieser Fragen grenzt das Gebiet der Recherche ein.


Recherche gegen Rechts

Recherche gegen Rechts hat das Ziel herauszufinden

Die Beantwortung dieser Fragen ermöglicht die Bestimmung wirksamer Gegenaktionen.

Jede Gruppe sollte sich in dem Bereich, in dem sie handelt, besser auskennen als ihr Gegner. Dies schützt sie selbst und andere vor bösen Überraschungen oder Niederlagen.
Das gilt auch für antifaschistische Öffentlichkeitsarbeit. Das Ziel ist, den Widerstand gegen die Aktivitäten der Rechten zu fördern. Öffentlichkeitsarbeit mit Hilfe gut recherchierter Fakten kann Naziprojekte in der Gesellschaft isolieren und Druck auf PolitikerInnen und Behörden ausüben, die militante Nazis decken oder sich mit Neuen Rechten verbrüdern.

Die Aufklärung von bisher Verborgenem kann Leute wütend machen und oft den Beweis erbringen, der gebraucht wird, um öffentliche Empörung herzustellen. Daher werden bei der Recherche in erster Linie Fakten gesammelt, die die eigene Position stärken. Das bedeutet aber nicht, dass Fakten so lange verdreht werden bis sie in die eigene Position passen. Durch das Präsentieren gesicherter und nachprüfbarer Fakten entsteht Vertrauen – dagegen entsteht durch das Präsentieren von Lügen und Unwahrheiten Misstrauen. Gefährlich wird es, wenn falsche Zitate die Runde machen. Wenn sich solch ein "Beweis" in Luft auflöst, kann das neben dem politischen Schaden auch rechtliche Folgen haben.

Wenn ihr zu einem Thema recherchiert, also Informationen sammelt und auswertet, werdet ihr manchmal feststellen, dass sich auch euer eigener Blick auf die Angelegenheit verändert. Ihr erkennet den Kern der Sache vielleicht deutlicher und könnt eure eigenen Forderungen besser und klarer darstellen. Wenn ihr während einer Recherche versuchet, die Stärken und Schwächen des Gegners herauszufinden, heißt das auch, die eigene Situation im Verlauf der Recherche zu analysieren.

Wenn ihr vorher Verborgenes herausfindet oder wenn ihr feststellt, dass es außer euch auch noch andere gibt, die die Augen offen halten und Kritik äußern, dann zeigt das auch, wo ihr mit eurer Arbeit vorher gestanden habt und wo ihr hinkommt. Es wird klarer werden, welchen Einfluss der Gegner hat und was ihr selbst könnt.

Die Recherche verändert Eure Blickwinkel, ob ihr es merkt oder abstreitet. Deshalb ist es wichtig, die Menschen, die Recherche machen, nicht alleine arbeiten zu lassen. Genauso wie die Gruppe über das Ziel der Recherche bestimmt, müssen die Ergebnisse mit allen ausgewertet werden. Das stärkt das Selbstvertrauen der Gruppe und ihrer Mitglieder und verhindert, dass Recherche-Leute "abheben". Wenn ihr wißt, warum eine Sache wichtig ist, werdet ihr mit euren Mitteln immer besser umgehen, als wenn ihr unsicher seid.

Bei der Recherche gegen Rechts gibt es Informationen, die vertraulich behandelt werden müssen. Vertraulich deshalb, weil sie Personen gefährden könnten. Informationen können nicht nur diejenigen gefährden, die eure Gegner sind. Auch die, die diese Information besitzen oder sie weitergegeben haben, können gefährdet sein. Achtet deshalb darauf, dass ihr die Vertraulichkeit mancher Informationen beachtet. Solche „Geheimnisse“ können gerade bei der Recherche gegen Rechts großen Spaß machen. Der Spaß mancher Geheimnisse besteht leider nur darin, das Geheimnis zu lüften. Besprecht gemeinsam, wie ihr damit umgehen wollt. Wenn ihr am Kneipentisch Geschichten erzählt bekommt, weil die Leute wissen, sie erzählen es "der Antifa", fragt nach, ob die Infos vertraulich sind oder nicht. Und überlegt trotzdem gut, ob ihr diese Informationen gebrauchen könnt oder nicht.

Recherche gegen Rechts hat nicht nur Freunde. Die Rechte, vom Mitglied des „Deutschland-Forums“ über die „Junge Freiheit“ bis zu den Machern des „Einblick“, klagt über antifaschistische Recherche. Nicht nur über das scheinbar schlechte Bild in der Öffentlichkeit sondern auch über Störungen durch antifaschistische Aktionen. Auch dem Verfassungsschutz ist Recherche gegen Rechts ein Dorn im Auge. Ganz besonders, wenn immer wieder gezeigt wird, dass die rechte Gefahr bagatellisiert oder für eigene Zwecke benutzt wird.


Quellen der Recherche

Presseauswertung:

Die normalen Tageszeitungen berichten teilweise ausführlich über Rechtsextremismus. Der Umfang der Berichterstattung richtet sich nach dem Markt- bzw. Sensationswert der Meldung. Das bedeutet, dass die Berichterstattung genauso abrupt zu Ende sein kann, wie sie anfängt. Trotzdem sind Presseartikel wichtige Bausteine für die Recherche. Das Ausschneiden, Auswerten und Archivieren gehört daher auch zur Antifa-Arbeit. Zeitungen, Broschüren, Infotelefone und Fanzines der Rechten geben wichtige Einblicke in ihre Aktivitäten und Pläne. Da die meisten Publikationen nicht am Kiosk zu haben sind, müssen sie bestellt werden. Wenn ihr etwas bestellt, denkt daran, dass die Nazis in ihren Karteien nach eventuellen Linken suchen und auch gelegentlich zu Besuchen vorbeischauen.

Elektronische Medien

Viele Zeitschriften und Tageszeitungen können inzwischen über das Internet eingesehen werden. Antifaschistische Publikationen können ebenfalls im Netz gelesen werden. Damit verbunden sind Suchfunktionen, die teilweise recht umfangreich sind.
So könnt ihr euch manches Abo oder lange Sucherei sparen. Da viele, besonders linke, Zeitschriften auf Abos angewiesen sind, findet ihr manchmal nur Teile im Netz. Wenn ihr alles lesen wollt, müsst ihr die Papierausgabe kaufen.

Die Nazis sind auch schon lange im Netz. Viele deutsche Nazi-Seiten werden inzwischen vom Ausland aus ins Netz gestellt. So soll der Strafverfolgung, vor allem wegen Volksverhetzung, vorgebeugt werden. Der Zugang zu Naziseiten als Gast ist meist problemlos. Es gibt aber oft auch interne Ebenen, die nur mit einem Passwort erreicht werden können. Hacker haben hier schon öfter vorbeigeschaut.

Zu dem Thema Sicherheit im Internet kann - und muss - ziemlich viel gesagt werden. Wer sich im Internet bewegt, hinterlässt Spuren. Wer das Internet als Quelle stark nutzt, muss sich hier schützen. Im Netz kann mensch sich aber auch sehr gut "als Nazi" bewegen, Foren und Chat-Rooms besuchen und darüber an interne Informationen oder Gerüchte kommen. Und wer ein paar Hilfsmittel kennt, kann die Spuren, die Nazis hinterlassen, selber nutzen, um sie zu enttarnen.

Hier ist es aber besonders wichtig, nicht jeden Hinweis als Tatsache weiter zu verbreiten! Gerade die Anonymität im Netz sorgt dafür, dass ihr nur sehr schwer nachprüfen könnt, ob etwas wahr ist bzw. wer eine Aussage tatsächlich gemacht hat.

Beobachtung

Die Beobachtung von Aktivitäten der Nazis ist eine wichtige Grundlage für euch als antifaschistische Gruppe. Ihr könnt herauszufinden und darstellen, wie hoch der Organisationsgrad der Nazis ist, welche Pläne sie verfolgen und wer mit wem zusammenarbeitet etc.

Ihr könnt z.B. Flugblattaktionen beobachten, um herauszufinden, wie die Nazis so was organisieren. Genauso interessant sind ihre Veranstaltungen oder internen Treffen oder ihre Aufmärsche und Kundgebungen. Die Beobachtung von Nazi-Aktivitäten ist nicht ohne Risiko. Ihr solltet euch angemessen kleiden und unauffällig verhalten. Auf jeden Fall solltet ihr so was nicht alleine machen. Sichert euch immer ab und organisiert einen Schutz - macht nichts alleine!

Zu Dokumentationszwecken könnt ihr fotografieren, filmen, Flugblätter einsammeln oder Reden aufnehmen. Autonummern geben euch einen Überblick, ob zu einem Treffen auch überregional mobilisiert wurde.

Ein besonderer Fall sind Gerichtsverhandlungen. Wenn „wichtige“ Personen vor dem Richter stehen, solltet ihr auf jeden Fall den Besuch der Verhandlung organisieren. Die meisten Prozesse sind öffentlich und werden durch Aushang bekannt gegeben. Die Presse erhält über telefonische Anfrage Auskunft bei der Justizpressestelle.

Dokumentation und Öffentlichkeitsarbeit

Ein oft vernachlässigter Bereich ist die Dokumentation von faschistischen Übergriffen und Aktivitäten. Gerade wenn ihr in einem bestimmten Stadtteil arbeitet, können Zeugenaussagen viele Informationen hergeben, die sonst verborgen bleiben. Dazu müsst ihr Kontakt mit den Betroffenen aufnehmen oder eventuellen Augenzeugen ausfindig machen.
Die ganzen schlauen Infos nutzen nichts, wenn sie unter eurem Bett verstauben. Ihr solltet euch grundsätzlich überlegen, wie ihr die Öffentlichkeit informieren wollt. Veranstaltungen, Flugblätter, Broschüren oder Zeitschriften sind Mittel, die ihr selbst gestalten könnt. Durch Pressemitteilungen und persönliche Kontakte zu JournalistInnen sorgt ihr für die Verbreitung von euren Informationen in Massenmedien oder Kiezblättern. (Medienarbeit)

Bei vielen Zeitungen gibt es engagierte JournalistInnen, die über rechte Aktivitäten berichten. Wenn sich eure Arbeit auch an die Presse richten soll, achtet darauf, persönliche Kontakte aufzubauen. Diese können überaus hilfreich sein, wenn ihr mal mit eurer Recherche nicht weiter kommt, denn JournalistInnen haben oftmals noch andere Möglichkeiten an Informationen zu kommen. Aber lasst euch nicht ablinken! Manche "Presseorgane" sind nur mit Vorsicht zu genießen!

Bücher, Archive

Wenn ihr was zu bestimmten Organisationen oder auch Personen erfahren wollt, sind auch Bücher und Broschüren hilfreich. Gute Literatur findet ihr z.B. in Bibliotheken, in manchen kleinen weniger, in großen, z.B. in Unistädten, ziemlich viel.

In seltenen Fällen findet ihr an bestimmten Fachbereichen Schwerpunktsammlungen. Bestimmte Profs sind bekannt bzw. berüchtigt für ihr "Interesse" an dem Thema. Wer Lust dazu hat, sollte sich durchaus um Kontakt zu den korrekten Profs bemühen. Bessere Adressen sind da die Antifa-Archive. Die meisten Antifas sammeln auch über Jahre ihren Kram. Nur selten sind die Archive öffentlich, es gibt aber schon einige, die ihr in der Linkliste nachlesen könnt.

Kostenlose Infos, aber mit mieserem Niveau, gibt es bei den Landeszentralen für politische Bildung. Auch Bücher könnt ihr da umsonst oder preisgünstig bekommen. Die Sachen zu Rechten und Nazis sind aber fast ausschließlich im Stil der Extremismustheoretiker vom VS gehalten.

Filme, Videos und Fotos

Wenn ihr auf der Suche nach Filmen oder Fernsehbeiträgen von bestimmten Anlässen seid, wird's schon komplizierter. Eigene Mitschnitte, am besten regelmäßig, werden euch nicht erspart bleiben. Es gibt allerdings Archive, die auch Fernsehsendungen aufnehmen. Alternative und linke Videowerkstätten oder Medienzentren sind da gute Adressen. Es gibt sogar Ausschnittdienste, die - zu gepfefferten Preisen - Mitschnitte liefern, die ihr auch vorbestellen könnt.

Die öffentlich-rechtlichen Sender sind da noch mal was Besonderes. Diese haben einen vom Gesetzgeber bestimmten Bildungsauftrag mitbekommen und riesige Archive, bei denen ihr auch nachfragen könnt. Sie sammeln nicht nur Film- oder Radiobeiträge, sondern haben meist auch Presseauschnitte und Fotos zu wichtigen Themen, Personen, Organisationen. Grundsätzlich ist die Nutzung kostenlos. Ruft einfach an und fragt nach.

Anders ist es bei den privaten Sendern, die so was nicht kennen. Fernsehbeiträge unterliegen dem Urheberrecht. So ist es oftmals einfacher Manuskripte von interessanten Sendungen zu bekommen als komplette Mitschnitte. Einfach anrufen oder Brief schicken mit frankiertem Rückumschlag. Das genaue Datum hilft natürlich auch. Manche Skripte findet ihr inzwischen auch im Internet.

Öffentliche Register

Damit sind das Grundbuchamt, das Handelsregister und das Vereinsregister gemeint. Öffentliche Register sind Angelegenheiten der jeweiligen Gemeinden. Sie sind prinzipiell für jedermensch zugänglich und einsehbar. Dort findet ihr Angaben darüber, wem was seit wann gehört, bzw. wer welchen Verein betreibt.

Bei allen drei Registern handelt es sich um öffentliche Einrichtungen, deren Zweck die Erteilung von Auskünften ist. Am häufigsten werden die Einträge von Behörden (Polizei, Justiz) oder bestimmten Berufsgruppen (Rechtsanwälte, Notare, Journalisten) genutzt. Es ist also überhaupt nichts dabei, wenn ihr dort auftaucht. Im Prinzip jedenfalls. Die Erfahrung zeigt, dass die Erteilung von Auskünften von Ort zu Ort und von Register zu Register sehr unterschiedlich gehandhabt wird. Manche MitarbeiterInnen entwickeln z.B. ein reges Interesse für euch.

Im Vereinsregister sind alle Vereine eingetragen, die ein "e.V." tragen. Das Register wird normalerweise im zuständigen Amtsgericht geführt. Die Zuständigkeit richtet sich nach dem Sitz des Vereins, der nicht unbedingt identisch mit Postanschriften, Büroadressen oder ähnlichem sein muss. Im Register wird eine Akte des Vereins und eine Registerkarte geführt. Die Akte enthält u.a. das Gründungsprotokoll, Protokolle von Mitgliederversammlungen, Schriftwechsel zwischen dem Verein und dem Gericht, die Satzung und so weiter. Auf der Registerkarte sind die entscheidenden Angaben über Sitz, Vorstand und Adresse angegeben. Auch jeder Vorstandswechsel wird hier vermerkt.