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Ideen für ein solidarisches Miteinander

Nicht alle, die etwas dagegen haben, dass sich die Nazis immer mehr breit machen, können soviel dagegen unternehmen wie ihr. Viele Nicht-Weiße, Behinderte, Flüchtlinge oder andere Bevölkerungsgruppen, die nicht ins rechte Weltbild der Nazis passen, können sich in diesem Land nicht so frei bewegen und agieren wie ihr. Sie sind nicht nur beliebtes Angriffsziel für Nazis, sondern haben auch im Alltag ständig mit Rassismus und Unterdrückung zu kämpfen.

Sie alle brauchen unsere Unterstützung und unsere Solidarität. Und das nicht erst dann, wenn etwas passiert ist. Ihr könnt vieles tun, um sie zu unterstützen. Wir wollen euch hier nur einige Anregungen geben, letztendlich müsst ihr selbst sehen, was bei euch getan werden kann.

Flüchtlingsheime

Flüchtlingsheime sind immer wieder Ziel von Naziangriffen. Der Staat ist nicht in der Lage, diese Menschen wirklich zu schützen. Organisiert Selbstverteidigungskurse in diesen Wohnheimen, fragt befreundete TrainerInnen oder SportlehrerInnen, ob sie solche Kurse mit euch organisieren. Neben der sinnvollen Hilfe lernt ihr so die Menschen auch kennen und erfahrt, wo sie noch Hilfe brauchen.

Wenn ihr keine Möglichkeit habt, Selbstverteidigungskurse zu geben, überlegt euch was anderes. Auch regelmäßige Fußballspiele oder gemeinsame Besuche im Sportcenter machen Spaß. Allerdings solltet ihr das Geld für diese Besuche besorgen, da Flüchtlinge in der Regel kein Bargeld ausbezahlt bekommen und wenn, reicht das nicht mal für die Busfahrkarte.
Ihr könnt auch die Menschen in den Heimen fragen, welche Sportarten sie beherrschen und ob sie euch nicht etwas beibringen können.

Zeigt, dass ihr Interesse an ihnen und ihren Geschichten habt, fragt sie auch nach ihren Problemen und Ängsten. Für sie ist das Leben in einem fremden Land und in einer meist beschissenen Unterkunft sehr schwer. Ihr könnt das vielleicht ein bisschen leichter machen, wenn ihr ihnen das Gefühl gebt, dass ihr sie ernst nehmt und sie euch wichtig sind.

Sprecht mit ihnen über die Gefahr von Angriffen von Nazis oder dem Bürgermob. Organisiert Telefonketten, aber gebt nur Telefonnummern raus, wo wirklich Tag und Nacht jemand erreichbar ist!

Oder ladet sie in euren Treffpunkt/Jugendclub ein. Sie können von sich erzählen, ihr könnt gemeinsam kochen oder Musik machen, vielleicht sogar regelmäßig.

Nachbarschaft

Schafft euch ein Umfeld, in dem ihr auf andere achtet und andere auf euch. Ein solidarisches Miteinander lässt Nazis keinen Raum und schützt euch alle. Schaut euch in eurer Nachbarschaft um. Gibt es Treffpunkte, Gruppen von Menschen oder Einzelpersonen die eure Hilfe brauchen? Vielleicht könnt ihr denen, die nicht so gut oder gar nicht Deutsch sprechen, helfen. Sei es durch gemeinsames Lernen, durch Hilfe bei Behördengängen oder beim Einkaufen. Seid offen für ihre Kultur, ihr könnt mindestens soviel von ihnen lernen, wie sie von euch.
Achtet auch auf Behinderte. Haben sie Probleme, bei denen ihr ihnen helfen könnt? Unterstützt sie bei der Durchsetzung ihrer Interessen, wie z.B. Absenkung der Bürgersteige für Rollstuhlfahrer usw. Versucht auch bei der Einrichtung eures Jugendclubs darauf zu achten, dass auch Behinderte hineinkommen können.

Viele Menschen haben Probleme mit Sachen, die für euch völlig normal sind und die euch keine Schwierigkeiten bereiten. Seid offen dafür und bietet eure Hilfe an.

Telefonketten

Telefonketten bieten die Möglichkeit, Leute schnell zu informieren oder zusammen zu trommeln, z.B. im Falle eines Angriffs, einer Spontanaktion, einer Hausräumung oder ähnlichem. Das Prinzip ist ganz einfach: ihr erstellt eine Liste der Personen, Wohngemeinschaften oder Häusern, die ihr im Ernstfall erreichen wollt. Diese Nummern werden dann in einer festen Reihenfolge aufgeschrieben, also wie in einer Kette aneinander gehängt. Am Ende der Kette muss dann wieder die erste Nummer auftauchen. Da ihr ja nicht wisst, wer der/die erste AnruferIn ist, muss der Kreis sich schließen. Die fertige Liste sieht dann etwa so aus:

Wenn dann irgendetwas passiert, ruft z.B. Person C Person D an, diese ruft dann Person A an und diese wiederum Person B usw.

Wichtig ist:

Im Ernstfall ist eineTelefonkette eine gute und bewährte Methode, um schnell zu mobilisieren.
Das gleiche funktioniert natürlich auch als SMS-Kette, dann können logischerweise nur Handys in die Liste aufgenommen werden.

Volxküche

Eine Veranstaltung ganz anderer Art ist das regelmäßige Organisieren von Volxküchen. Eine Volxküche besteht aus einfachem, meist vegetarischem oder veganem Essen, was gegen Spende oder Selbstkostenpreis verkauft wird. Dahinter steht das Verständnis, dass Essen ein Grundbedürfnis ist und nicht zum Profitmachen da sein sollte. Mit dem Organisieren von Voküs können auch Leute bei euch Essen, die nicht das dicke Geld haben. Außerdem lernt ihr neue Leute kennen und Spaß macht es ja meistens auch.

Das Essen für die Vokü kauft Ihr am besten in billigen Discountern. Für Obst und Gemüse könnt ihr auch auf Märkte gehen, und die HändlerInnen fragen, ob sie Euch Zeugs, was sie nicht mehr verkaufen können, umsonst geben wollen. Am besten geht das, wenn sie gerade am Abbauen sind. So etwas könnt Ihr natürlich nur an geeigneten Orten machen. Wichtig ist eine große Küche (kocht mal für 40 Leute!) und genug Platz zum Essen.


Schulen

An vielen Schulen treten rechte Cliquen ganz offen auf. U.a. wird Propagandamaterial der NPD und der sogenannten Freien Kameradschaften ausgeteilt. SchülerInnen werden aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, sexuellen Orientierung oder politischen Meinung verbal und körperlich angegriffen. Auch in Unterrichtsbeiträgen oder Referaten werden relativ offen rassistische und nationalsozialistische Meinungen vertreten, ganz zu schweigen von der Nazimusik, die gehört wird. Auch Aufkleber, rechte Flugblätter und sogenannte nationale Schülerzeitungen sind keine Seltenheit.

Auch an Schulen könnt Ihr Euch organisieren und aktiv gegen Nazis und Rassismus werden. Viele der folgenden Tipps stammen aus dem Handbuch Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage (Teil C). Weitere Informationen dazu findet ihr unter www.schule-ohne-rassismus.org

Allgemeines:

Wenn ihr Probleme mit Nazis oder „NazilehrerInnen“ an eurer Schule habt, ist es wichtig, die Öffentlichkeit innerhalb und außerhalb der Schule darüber zu informieren. Innerhalb der Schule könnt ihr z.B. zur SchülerInnen- bzw. zur Elternvertretung gehen. Auch VertrauenslehrerInnen sind oft eine gute Adresse, vielleicht interessiert sich sogar die Schulleitung für euer Problem. Um auch darüber hinaus etwas zu tun, könnt ihr z.B. eine Pressemitteilung schreiben (schaut nach bei Selbst schreiben / Umgang mit Presse), um auf die Situation in eurer Schule hinzuweisen.

Die beste Basis für Gegenaktionen ist immer noch, wenn ihr möglichst viele seid. Sucht euch Leute, denen es auch nicht egal ist, dass die Nazis sich breit machen – gemeinsam ist immer noch mehr möglich.

Wichtig ist noch, dass ihr gut vorbereitet seid und mit gut recherchierten Fakten auftretet. Wenn ihr z.B. einen Beitrag für die Schülervertretung macht, bereitet diesen gemeinsam und intensiv vor. Nicht, dass ihr im entscheidenden Moment ins Stottern kommt und so vielleicht nicht ernst genommen werdet.

Außerdem habt ihr die Möglichkeit, Informationen zu Rechtsextremismus oder Rassismus von externen ReferentInnen an eure Schule zu holen. Dazu haben sich Projektschultage bewährt. ReferentInnen findet ihr u.a. bei Schule ohne Rassismus (www.schule-ohne-rassismus.org); NDC (www.netzwerk-courage.de); apabiz (www.apabiz.de) etc.

Auch vor der Hilfe von anderen habt ihr schon Handlungsmöglichkeiten. Macht immer wieder eure MitschülerInnen und LehrerInnen auf bestimmte Symbole / Sprüche / und Musik aufmerksam – irgendwann können sie nicht mehr weghören oder –sehen.

Was tun, wenn ihr oder andere Opfer eines rechten Übergriffes werdet?

Opfer von Naziübergriffen brauchen Hilfe und Unterstützung von euch, euren MitschülerInnen und auch von LehrerInnen. An vielen Schulen wird rechte Gewalt verharmlost oder ganz ignoriert. Gerade deshalb ist es wichtig, dass ihr euch mit den Opfern solidarisiert und den ersten Schritt tut. Ihr könnt z.B. Leute, die bedroht werden, nach Schulschluss in einer größeren Gruppe begleiten. Das gibt den Leuten die Sicherheit, nicht allein zu sein und ist auch ein Signal an die Nazis - sie sehen, dass ihr auch viele seid. Ihr könntet z.B. Flyer verteilen, wo über die Nazigewalt an der Schule informiert wird.

In allen neuen Bundesländern und Berlin gibt es seit ein paar Jahren professionelle Opferberatungsstellen, die sich nur um Opfer rechter Gewalt kümmern. Diese solltet ihr informieren, wenn ihr von Übergriffen erfahrt. Die Leute dort sind da, um euch in genau solchen Situationen zu unterstützen.

Berlin – Reach Out - www.reachoutberlin.de

Sachsen – AMAL - www.amal-sachsen.de

Mecklenburg-Vorpommern – Lobbi - www.lobbi-mv.de

Brandenburg- Opferperspektive - www.opferperspektive.de

Sachsen-Anhalt – Miteinander e.V. - www.mobile-opferberatung.de

(auf den Seiten findet ihr auch die links zu weiteren Opferberatungsstellen)

Die Beratungsstellen haben auch eine Broschüre heraus gegeben. Darin findet ihr Tipps, was zu tun ist, wenn man Opfer oder ZeugIn eines Übergriffes geworden ist. Downloaden könnt ihr die Broschüe z.B. unter www.amal-sachsen.de/seite.php?seite=15

Das Wichtigste für die Opfer ist, wieder aktiv zu werden und sich nicht im Schneckenhaus zu verkriechen, und dabei könnt ihr sie unterstützen!

Rechtes Propagandamaterial an Schulen:

Wenn rechte Aufkleber; Plakate; Spuckies etc. in eurer Schule auftauchen, dann gibt`s nur eins: konsequent abmachen und Naziflugis einsammeln! Wenn ihr die Naziaktivitäten bei euch dokumentieren wollt, dann werft die Sachen nicht weg, sondern archiviert sie. Vielleicht sind sie auch ein Teil eures „Beweismaterials“, wenn ihr z.B. mit der Schülerinnenvertretung oder der Schulleitung sprecht. Falls ihr mehr über bestimmte Nazi-Propaganda wissen wollt, oder euer Material zur Verfügung stellen wollt, dann wendet euch an antifaschistische Archive z.B. das apabiz. Auch zur Propaganda der Nazis gibt es Infoveranstaltungen bzw. Ausstellungen, die von unabhängigen Bildungsträgern angeboten werden. Dazu könnt Ihr ReferentInnen einladen z.B. vom apabiz bzw. fragt in den Opferberatungsstellen (s.o.) oder bei den Mobilen Beratungsteams (s.u.) nach.

SchülerInnen & LehrerInnen, die Ärger mit Nazis haben:

Wenn MitschülerInnen oder eure LehrerInnen Stress mit Nazis haben, ist es wichtig, dass sie sich auf keinen Fall einschüchtern lassen. Strafrechtlich relevante Äußerungen, Aktionen oder Veröffentlichungen sollten bei der Polizei angezeigt werden. Wenn die Polizei bei euch vor Ort diesem Thema nicht besonders „sensibel“ gegenüber steht, gibt es auch Sonderderzernate, die sich mit Rechtsextremismus beschäftigen.

Außerdem könnt ihr euch Unterstützung bei Gewerkschaften oder den Mobilen Beratungsteams (MBT`s) suchen. Diese gibt es auch in den neuen Bundesländern und Berlin und deren Job ist es u.a. antirassistische & antifaschistische Initiativen zu unterstützen und gemeinsam Pläne zu entwickeln, was mensch tun kann.

Berlin – MBR - www.mbr.de

Thüringen – Mobit - www.mobit.org

Sachsen – Kulturbüro - www.kulturbuero-sachsen.de

(auf den Seiten findet ihr auch die links zu den anderen MBT`s)