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Aktionen

Unter Aktionen verstehen wir hier Kundgebungen / Demos und Aktionswochen. Natürlich gibt es noch viel mehr Möglichkeiten aktiv zu werden.

Eine Aktion sollte sich immer daran orientieren, was in einer bestimmten Situation richtig, machbar oder auch vermittelbar ist, und dies können sehr unterschiedliche Möglichkeiten sein. Wir glauben, dass Widerstand sehr bewusst geleistet werden muss, dass also genaue Überlegungen und Analysen notwendig sind.

Es gibt verschiedene Arten von Aktionen: legale, weniger legale und ganz und gar überhaupt nicht legale. Wir können aus rechtlichen Gründen natürlich nur auf die legalen eingehen und beschränken uns auf die Aktionsformen, mit denen ihr Öffentlichkeit für ein bestimmtes Thema schaffen könnt.

Unabhängig davon, wie eine Aktion vorbereitet und durchgeführt wird, gibt es einige Regeln, die eigentlich immer zu beachten sind:

Demonstrationen/Kundgebungen

Demonstrationen und Kundgebungen sind ein gutes Mittel um euer Anliegen auf die Straße zu tragen. Ihr habt ein Recht darauf, Demonstrationen durchzuführen, ihr müsst sie aber vorher anmelden.

Der Unterschied zwischen einer Demo und einer Kundgebung liegt eigentlich nur darin, dass ihr bei einer Kundgebung nicht durch die Gegend lauft, sondern an einem festen Platz bleibt. Das bietet sich vor allem dann an, wenn das Thema eurer Aktion sich auf ein bestimmtes Gebäude oder einen Platz bezieht. Wollt ihr also z.B. gegen eine Disko demonstrieren, die rassistische Einlasskontrollen durchführt, wäre der Platz vor oder in der Nähe der Disko am Besten für eine Kundgebung geeignet.

Es gibt zwar auch die Möglichkeit Spontandemos oder Kundgebungen abzuhalten, aber diese müssen dann wirklich spontan sein und bei Beginn vor Ort angemeldet werden. Sie bieten sich dann an, wenn ihr schnell auf Ereignisse reagieren wollt (Räumungen, politische Morde etc.).
Generell gilt: Je besser eine Demo vorbereitet ist, um so mehr Leute kommen und desto überzeugender ist sie. Wenn ein Thema also wichtig, aber nicht an ein bestimmtes Datum gebunden ist, lieber genau und länger planen.

Anmeldung einer Demo oder Kundgebung

Ihr geht zu einem Polizeirevier (mit Personalausweis) und sagt, dass ihr eine Demo anmelden wollt. Ihr müsst dafür allerdings mindestens 18 Jahre alt sein. Besser ist es natürlich in jedem Fall, wenn Ihr jemanden habt, der die Demo für euch anmeldet, z.B. ein/eine korrekte/r Anwalt/Anwältin oder ein/e Parteifunktonärln. Im Falle einer politischen Demo (was es ja wohl ist) dürft ihr dann zum Staatsschutz latschen, und das Teil dort anmelden. Der Staatsschutz ist die politische Kriminalpolizei. Ihr zeigt denen euren Ausweis, erzählt wie viele Leute erwartet werden und (bei Demos) die gewünschte Route. Vielleicht stellen sie noch einige Fragen, die ihr aber nicht unbedingt beantworten müsst. Im Zweifelsfall nehmt einen Anwalt oder eine Anwältin mit.

Nun müsst ihr warten bis ihr die Genehmigung zugeschickt bekommt. Erst wenn ihr die Bestätigung in der Hand habt, darf die Aktion auch durchgeführt werden. In der Regel bekommt ihr diese einige Tage vor der Demo. Oft sind aber mit der Genehmigung bestimmte Auflagen verbunden, wie z.B. so und so viele OrdnerInnen, keine Vermummung oder keine grünen Unterhosen. Manchmal darf auch eine bestimmte Strecke nicht oder nur zu anderen Zeiten benutzt werden oder die Aktion wird ganz verboten. Spätestens dann sollte unbedingt juristischer Beistand (Anwältin) hinzugezogen werden, der/die versucht, die Aktion gerichtlich durchzusetzen. Ansonsten gab es auch schon Demos und Kundgebungen, die vollkommen unangemeldet durchgezogen wurden. Um euch Stress und eventuelle Prügeleien zu ersparen, solltet ihr lieber den offiziellen Weg versuchen.

Organisation

Wenn Ihr eine Kundgebung oder Demo organisiert, muss noch auf viele andere Dinge geachtet werden: In der Regel gilt, wenn keine/r weiß, dass die Aktion stattfindet, kommt auch niemand. Das heißt Ihr müsst euch überlegen, wie Ihr effektiv für die Demo mobilisiert (meist Plakate und Flugis).

Dann sollte es eine Möglichkeit geben, Redebeiträge über Lautsprecher zu verlesen. Eigentlich braucht ihr dazu eine etwas größere Anlage, da Megaphone nur eine geringe Reichweite haben. Also sind meist ein oder mehrere Lautsprecherwagen nötig, die eine Anlage auf dem Dach montiert haben. Für kleine Kundgebungen reicht ein Handmegaphon (erhältlich in Elektronikläden oder mal bei Gewerkschaften nachfragen). Die Redebeiträge sollten stilistisch und akustisch verständlich und nicht zu lang sein. Gute Musik als Abwechslung ist auch super. Achtet aber auch auf Pausen, in denen die Demoteilnehmer selber Parolen rufen können. Bei vielen Demos muss auch ein Schutz für den Lautsprecherwagen organisiert werden.

Die VeranstalterInnen (also Ihr) müssen die gesamte Zeit über Kontakt zur Polizei-Einsatzleitung halten. Dafür gibt es in der Regel einen Kontaktpolizisten. Außerdem sollte die Demoleitung einen engen Kontakt zu den OrdnerInnen haben. Diese haben übrigens nicht unbedingt die Aufgabe, die DemonstrantInnen zu ordnen, sondern Provokationen von außen zu unterbinden, aber eventuell auch bei beschissenem Verhalten aus der Demo heraus einzuschreiten (z.B. Alk-Konsum, Aktionen durch Provokateure). So treiben sich öfters fotografierende Faschos auf unseren Demos rum, gegen die der Schutz vorzugehen hat (auch schicke Reporterinnen können Faschos sein, deshalb nach Presseausweis fragen).

Außerdem ist es meist sinnvoll, wenn Leute die weitere Umgebung beobachten.
Auf jeden Fall sollte es eine Demo-/Aktionsleitung geben! Am besten sind das einige Menschen, die sich kennen und die sich vor allem bei kritischen Situationen ganz kurz beraten können und dann gemeinsam Entscheidungen treffen. Sind mehrere Gruppen an der Aktion beteiligt sollte sich die Leitung auch aus Leuten dieser verschiedenen Gruppen zusammensetzen.

Oft empfiehlt sich ein Infodienst, damit die Aktionsleitung überhaupt was entscheiden kann. Das heißt, dass mehrere Menschen die Demo im Auge haben und über Vorfälle berichten können. Die Demoleitung kann nur Entscheidungen treffen, wenn sie die Situation kennt. Zur besseren Kommunikation sind deshalb bei größeren Aktionen Funksprechgeräte oder Handys ganz sinnvoll. Daneben sollte auch klar sein, wer die erste Kette macht bzw. die ersten drei oder so. Die müssen natürlich die Route kennen und Kontakt zur Leitung haben.

Um die Presse sollten sich auch welche kümmern. Also überlegt vorher wer den Job übernimmt. Es kommt immer blöde wenn ihr da keine Ansprechperson habt und alle sich fragend anschauen, wenn Presseleute Auskünfte wollen.

Ist zu erwarten, dass es Prügeleien mit der Polizei oder Nazis geben könnte, sollten vorher auch Sanis (Sanitäterinnen) angesprochen werden. Ansonsten muss ein eigener Sani-Dienst organisiert werden (Verbandszeug, Autos zum Verletztentransport, Krankenhaus- oder Privatadressen, zu denen Verletzte gebracht werden können). Wenn ihr in Eurem Ort oder in der näheren Umgebung einen Ermittlungsausschuss (EA) habt, ist es sinnvoll, ihm vorher Bescheid zu sagen, wann und wo Ihr die Demo macht. Fragt, ob er in der Zeit besetzt ist oder lasst Euch zumindest einen ansprechbare/n Anwalt/Anwältin an die Hand geben.


Soweit also dazu, was organisiert werden muss, wenn Ihr selber eine Demo macht. Aber auch wenn Du nur auf eine Demo gehst, muss einiges beachtet werden.


Wir gehen auf ne Demo

Generell solltet ihr vermeiden, alleine auf Demos/Aktionen zu gehen. Es ist immer besser, sich in einer kleinen Gruppe dorthin zu bewegen.

Dann sollte klar sein, wer mit wem zusammengehört und sich auch während der Demo nicht aus den Augen lässt. Gemeinsam seid ihr immer besser geschützt und auch aktionsfähiger als allein. Es ist wichtig, darauf zu achten, dass nicht immer alle Leute auf der Demo durcheinander rennen. Das heißt also Ketten machen oder auf jeden Fall eng zusammenbleiben. Für den Fall, dass ihr getrennt werdet, kann vorher ein neutrales Rufwort ausgemacht werden (z.B. »Goldhamster« aber nicht »Antifagruppe Müllerschule«, klar oder?).

Bei besonderen Ereignissen solltet Ihr Euch noch mal kurz beraten, was zu tun ist. Überlegt Euch vorher, wie Ihr euch in bestimmten Situationen verhalten wollt!
Auf jeden Fall solltet ihr immer auf den eigenen Selbstschutz achten. Also möglichst dicke, feste Kleidung anziehen. Am besten sind natürlich Dinge wie Armschützer (gibt es als Knieschützer in Sportgeschäften, Zeitungen in den Ärmeln gehen auch) zur Knüppelabwehr. Auch Tücher oder Masken sind praktisch, denn sie können vor neugierigen Kameras schützen, weil die Demos oft massiv abgefilmt werden.

Soviel zur sinnvollen Theorie, denn praktisch sind Vermummung (dazu können schon Kapuze und Sonnenbrille zählen) und auch »passive Bewaffnung« (Helme, Armschützer ...) leider alle verboten, wenn es auch von der Polizei von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich toleriert wird. Wichtig sind auch vernünftige Schuhe, in denen ihr notfalls auch schnell rennen könnt und Handschuhe.


Wenn Leute besonders beschissene »Heldenaktionen« bringen, sagt es den betreffenden Leuten, denn so was kann uns allen schaden.

Bereitet Transparente vor, und denkt Euch vor der Demo Parolen aus, die den Sinn der Aktion rüberbringen. Wenn ihr nur mit »Hass, Hass, Hass« durch die Straßen lauft, könnt ihr gleich zu Hause bleiben.

Es kann auch sinnvoll sein, sich einen Fotoapparat mitzunehmen, um bestimmte Situationen zu dokumentieren. Dann aber nur mit neuem Film, auf dem vorher keine anderen Menschen fotografiert wurden. Sonst freuen sich diejenigen darüber, die den Film vielleicht in die Hände bekommen.

Ansonsten sollten alle versuchen, die Demo/Aktionsleitung zu unterstützen. Das heißt vor allem: Nur sichere Infos weitergeben und bei stressigen Situationen beruhigend und überlegt handeln. Wenn die Polizei reinknüppelt, solltet ihr nicht gleich wegrennen, sondern nach Möglichkeit stehen bleiben und die Demo zusammenhalten.

Es gibt auch immer Leute, die bei Demos nur ihren »Spaß« haben wollen. Da ist es wichtig, nicht irgendwelchen Schwachsinn zu unterstützen, sondern dem entgegenzuwirken. Das hat dann auch nichts mit »Bulle spielen« zu tun, sondern damit, den Verlauf der Aktionen selbst zu bestimmen, und nicht der Polizei oder irgendwelchen Durchgeknallten zu überlassen.

Last but not least bliebe noch zu sagen, dass Drogen (Alk, Dope usw.) auf und vor einer Demo nichts zu suchen haben, da sie euer Reaktionsvermögen beeinträchtigen. Natürlich solltet Ihr auch am Ende der Demo weiterhin zusammenbleiben und nicht alleine z.B. zur U-Bahn gehen.

Blöcke

Bei vielen größeren Demonstrationen gibt es verschiedene Blöcke, z.B. Frauen-, Häuser-, Sozialrevolutionärer- oder Flüchtlingsblock. Diese Aufteilung hat mehrere Gründe. Zum einen soll die Demo ja viele verschiedene Menschen und Gruppen repräsentieren, was am leichtesten ist, wenn diese auch äußerlich erkennbar sind. Dies ist vor allem bei großen Bündnis-Demos von Bedeutung, um unseren Unterschied zu bürgerlichen Inhalten deutlich zu machen. Bei bundesweiten Demos gibt es oft Städteblöcke, in denen die Leute einer Stadt oder einer Gegend zusammen laufen. Die Vorteile sind, dass ihr euch gegenseitig kennt, besser zusammenbleiben könnt und die Abreise leichter ist.

Ein anderer sehr wichtiger Grund bei der Bildung von Frauen/Lesbenblöcken ist, dass viele Frauen keine Lust haben, auf einer Demo mit Typen zusammenzulaufen, da viele Männer häufig meinen, sie müssten sich auf Demos produzieren, um allen zu zeigen, was sie doch für tolle Typen seien, oder sexistische Sprüche loslassen.
Männer, die bewusst in Frauenblöcke reinrennen, um zu provozieren, haben in unseren Demos nichts verloren. Sie sollten auch damit rechnen, von den Frauen des Blocks rausgeschmissen zu werden oder eins aufs Maul zu kriegen.


Demos in anderen Orten

Oft kommt es vor, dass es Demos in anderen Orten gibt, zu denen ihr hinfahren wollt. Auch da gibt es ein paar Sachen zu beachten: Bei der Anreise mit dem Zug möglichst keine unerlaubten Dinge dabei haben. Bei der Anfahrt mit dem Auto gilt: Waffenähnliche Gegenstände (z.B. Wagenheber) werden gerne als Vorwand zur Festnahme benutzt. Deshalb bei zu befürchtenden Kontrollen nichts zu krasses im Wagen haben. Das gilt auch für die Anreise in Bussen, die nicht sicherer sind als der eigene PKW. Busse werden manchmal aufgehalten und durchsucht oder gleich alle Insassen einkassiert. Praktisch ist auch der Besitz von Handys, um z.B. mit anderen Autos in Kontakt zu bleiben.

Auf keinen Fall ohne Stadtplan in der Tasche losfahren! Gut ist auch, wenn Ihr gleich für den ganzen Bus, oder die ganze Gruppe, Stadtpläne kopiert und verteilt. Es ist extrem mies, sich in einer unbekannten Stadt zu verirren, die vielleicht gerade von Nazis bevölkert ist.
Eine rechtzeitige Anreise - also möglichst nicht erst eine Minute vor Demobeginn - gibt Euch noch die Möglichkeit, wichtige Einkäufe und eine Stadtbesichtigung durchzuziehen. Ein Tag zuvor ist am besten, denn dann sind meist noch keine Polizeikontrollen auf den Zufahrtsstraßen.

Organisierung eines Konvois

Wenn Ihr mit vielen Leuten in Pkws bzw. Bussen zu einer weiter entfernten Aktion fahren wollt, empfiehlt es sich manchmal, einen Konvoi zu organisieren. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Zu den Vorteilen zählt, dass viele Menschen auf einem Haufen sind und sich beispielsweise an einer Raststätte leichter beraten können und aktionsfähiger sind. Wenn ihr unterwegs von Faschisten angegriffen werden solltet, könnt ihr euch dann leichter verteidigen.
Nachteilig kann sich die Größe eines Konvois auswirken: Er ist von der Polizei leichter zu orten und festzusetzen. Beim einzelnen Fahren kann nicht jedes Fahrzeug zugeordnet werden, bei Konvois läuft es aber so. Außerdem sind Konvoi-Fahrten immer ziemlich langsam, damit niemand den Anschluss verliert. Meistens halten sie an jeder Raststätte, weil jedes Mal welche aufs Klo müssen usw..

Ähnlich wie bei Demonstrationen kann es sein, dass die Polizei auf eine Anmeldung des Konvois beim jeweiligen Ordnungsamt oder Landratsamt besteht. Das läuft dann wie bei der Demo-Anmeldung.
Sinnvoll ist es, wenn zumindest an der Spitze und dem Ende des Konvois (und je nach Länge auch noch in der Mitte) Fahrzeuge mit Funk oder Handys fahren, um den Überblick zu behalten.

Wenn möglich, sollte es auch Melderinnen geben, die mit Motorrad o.a. vorausfahren und Sperren oder Naziansammlungen durchgeben.
Problematisch ist die Benutzung von Reisebussen, da diese nur mit Fahrerinnen vermietet werden, die meist nicht unserer politischen Meinung sind und sich deshalb nicht unbedingt unserer Planung anschließen. So ist es bei einem Konvoi nach Rostock vorgekommen, dass die Busse auf der Autobahn stoppen sollten, statt dessen aber absichtlich in die Polizeikontrollen gefahren sind. Solche Vorkommnisse sind nicht prinzipiell auszuschließen, aber Vorgespräche mit den Busunternehmen können dem eventuell vorbeugen. Außerdem müssen die BusfahrerInnen vorgeschriebene Pausen machen, und somit eignet sich ein Reisebus nicht so gut zur Verfolgung von Faschos, die sich nicht entscheiden können, wo sie ihren Aufmarsch durchziehen wollen.

Aktionswochen

Als Aktionswoche verstehen wir die Verkettung verschiedener Aktionen bzw. Veranstaltungen zu einem bestimmten, evtl. breiter gefassten Thema innerhalb eines kurzen Zeitraumes. Aktionswochen können von einer oder auch von verschiedenen Gruppen organisiert werden. Es ist auch möglich eine Aktionswoche zum gleichen Thema parallel an verschieden Orten / in verschiedenen Städten durchzuführen. Eine Aktionswoche kann verschiedene Zielgruppen haben, die durch unterschiedliche Aktionen bzw. Veranstaltungen erreicht werden können. Vorschläge dafür findet ihr unter Aktionen und Veranstaltungen. Darüber hinaus könnt Ihr in diesem Rahmen auch Konzerte organisieren. Auch als Teil einer Kampagne (evtl. Auftakt) eignen sich Aktionswochen.